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Rückblick „Afrika Festival 2022“

1. Tag

Es ist Freitag, der 17.06. Am späten Nachmittag füllt sich der Historische Festsaal des Rathauses am Prinzipalmarkt mit einer bunten Menschenschar. Der erste Eindruck macht sofort klar, dass „bunt“ an diesem Tag „Vielfalt“ bedeutet: Es steht für „international“, denn unter den erschienenen Menschen sind viele, die afrikanische Herkunft haben – sie haben in Münster ihre Heimat gefunden oder sind angereist. Dabei sind auch zahlreiche andere Münsteraner Bürger*innen. „Bunt“ steht für alle Generationen, die hier vertreten sind. Und schließlich ist „bunt“ im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen, als visueller Eindruck, weil die meisten afrikanisch stämmigen Frauen, Männer und Kinder ihre farbenfrohen traditionellen Gewänder, die Boubous, tragen. Der Saal ist zunächst lebhaft und quirlig, kurz vor halb sechs wird es ruhiger und die Anwesenden nehmen ihre Plätze ein. Sie wollen an der Eröffnungsfeier des 22. Afrika Festivals teilnehmen, zu der die Afrika Kooperative e.V. eingeladen hat. Pünktlich um 17:30 Uhr erklingen auf der Bühne die ersten Klaviertöne. Noel, der aus Eritrea stammende Musikstudent, spielt ein populäres eritreisches Lied, das er im romantischen Stil fürs Klavier arrangiert hat. Der junge Pianist fesselt das Publikum mit seiner Musikalität. Nach dem musikalischen Auftakt übernimmt Dr. Kabanda aus dem Vorstand der Kooperative die Moderation der Veranstaltung. Es folgen die Reden des Vereinsvorsitzenden Seidou Karidio und der geladenen Ehrengäste: des Bürgermeisters Rosenau, des Botschafters der Demokratischen Republik Niger Issakou, der Vorsitzenden des Integrationsrates Salinas. Karidio erläutert in seiner Rede das Motto des Festivals: „Gemeinsam stark für die Agenda 2030, gemeinsam für die nachhaltige Entwicklung in Afrika: Partnerschaft, Flucht, Integration und Teilhabe.“ Es geht also um Partnerschaften zwischen den Ländern Afrikas und der westlichen Welt, um die Wahrnehmung der afrikanischen Länder in der westlichen Welt als gleichberechtigte Partner, um die Anerkennung des kulturellen Potenzials des afrikanischen Kontinents, um interkulturelle Begegnungen auf Augenhöhe. Die anderen Redner bestätigen in ihren Reden die Äußerungen des Vorsitzenden und loben die aktive Arbeit und das gesellschaftliche Engagement der Afrika Kooperative e.V. Das dreitägige Festival soll allen Münsteraner Bürgern ein Forum für den interkulturellen Dialog bieten.

Den Auftakt dazu macht Ibrahima „Ibo“ Ndiaye, der aus dem Senegal stammende Schauspieler und Kabarettist. Scharfsinnig und wortgewandt schildert er seine Wahrnehmung der deutschen, europäischen und afrikanischen Alltagsrealitäten. Es gibt niemanden im Saal, der sich seinem Witz entziehen könnte. Lautes Lachen, Spaß und Ausgelassenheit bemächtigen sich des Publikums.

Nach einer kurzen Pause ertönt aus dem Lautsprecher ein in Afrika international bekannter Popsong. Junge Frauen und Männer betreten der Reihe nach die Bühne, bilden eine Schlange, gehen von der Bühne herunter und stolzieren zum Rhythmus der Musik durch den Zuschauerraum. Sie präsentieren traditionelle Kleidung und moderne Mode aus Afrika. Es ist eine Vielfalt an Formen und Stilen zu sehen: kurz, lang, eng, weit, schulterfrei, geschlossen, elegant, alltagstauglich, extravagant und praktisch. Und es ist eine wahre Farbenexplosion! Ein Rausch der Sinne. Fantastische Kleidung. Wunderschöne Menschen. Daher: Noch eine Runde durch den Zuschauerraum!

Die Modenschau ist nun zu Ende, die Gemüter kühlen sich langsam ab, aber es geht sinnlich weiter. Im Foyer vor dem Festsaal wird zu Tisch gebeten. Am langen Buffet können kulinarische Köstlichkeiten aus verschiedenen Ländern geordert werden. Reisgerichte, Teigtaschen, äthiopischer Kaffee. An Stehtischen kommen die Gäste zusammen, dann mischen sie sich wieder neu. Alle sind im Gespräch, scherzen, diskutieren. Die Menschen finden hier zueinander. Am Rande des Trubels sitzt an einem Tisch, scheinbar unberührt von allem Geschehen, ein Mann. Er trägt einen weißen Turban, ein langes indigo-blaues Gewand. Er ist ein Tuareq. An seinem Tisch bietet er traditionellen Schmuck seines Stammes zum Verkauf an. Silbergeschmeide mit Schmucksteinen, alles Unikate, echte Handwerkskunst. Wunderschön.

Gegen 21 Uhr verlassen die meisten Gäste – es waren ca. 200 Personen anwesend – das Foyer des Friedenssaales. Nur noch die Gastgeber bleiben da. Es muss gepackt und aufgeräumt werden bis es am nächsten Tag weitergeht.

 

2. Tag

Der zweite Tag des Festivals beginnt bereits um 11 Uhr. Im Salsomania leitet Annan Odameteye einen Workshop, in dem er die Teilnehmer*innen in die Kunst des afrikanischen Trommelns einweiht. Es geht um Grundlagen der Schlagtechnik und um Rhythmusfolgen. Die Kraft, Energie und Lebensfreude sind noch spürbar als die Teilnehmer*innen um 14 Uhr den Salsomania verlassen.

Am frühen Abend, 18 Uhr, findet das afrikanische Trommeln draußen vor dem Hot Jazz Club seine Fortsetzung. „Kunta Kinte“ nennen sich die Trommler aus Westafrika, die die Hafenbesucher mit ihren Rhythmen begeistern. Eine Stunde später übernimmt an der gleichen Stelle die deutsch-französische Band „Kossiwa“ und spielt, bis um 21 Uhr das Abendkonzert der südafrikanischen Sängerin Nomfusi im Keller des Hot Jazz Clubs beginnt.

Mit kunstvoll geflochtenem, hochgestecktem Haar, gekleidet in ein schwarz-weiß gemustertes enges Kleid, mit einem Netzkragen um die Schultern, der mit Muscheln bestickt ist und in hohen Stiefeletten betritt die kleine Sängerin die Bühne. Sie hat keine Mühe, mit ihrem geschmeidigen und kraftvoll-entschiedenen Afrosoul-Gesang, das Publikum für sich einzunehmen. Sie lädt es mit ihrer Musik und ihrer Persönlichkeit energetisch auf und treibt es schließlich zur Ekstase. Trotz unerträglicher Hitze an diesem Abend tanzen und singen ca. 100 Konzertbesucher mit Nomfusi, bis sie die Bühne wieder verlässt. Am Ende erklingt euphorischer Applaus für die Künstlerin.

23 Uhr. Ortswechsel. Wieder im Salsomania. DJane Sapphire aus London legt Funk, Salsa, Merengue und Afro-Beats auf. Zunächst sind auf der Tanzfläche nur wenige Tänzer zu sehen, die meisten unterhalten sich an Tischen oder in Loungesesseln bei einem Drink. Doch kurz nach Mitternacht sind die Leute nicht zu bremsen. Die Tanzfläche ist voll, die Stimmung fantastisch und die African Dance Night geht bis fünf Uhr morgens.

 

3. Tag – der Festivalausklang

Um 18 Uhr tritt in der Friedenskapelle das Frauenorchester „Tausi Taraab“ aus Sansibar auf. Die sechs Frauen, in lila-orange-gelb gemusterte Gewänder gekleidet, wirken sehr sympathisch und lebensfroh. Sie spielen traditionelle afrikanische Instrumente: Bongo, Gambusi, Daf, Darbuka, aber auch Violine und Akkordeon. Und sie singen, solo und im Chor. Taraab ist ein Musikstil, der sich auf der Insel Sansibar entwickelt hat und Elemente der arabischen, indischen und afrikanischen Musik kombiniert. In Deutschland ist er weitgehend unbekannt und klingt für die 50 Konzertbesucher*innen außergewöhnlich, originell. Es ist auch der erste Auftritt des „Tausi Taraab“ Orchesters in Deutschland. Ein ruhiger Abschluss des Festivalwochenendes.
Am 3. und 4.09.2022 gibt es eine Fortsetzung des Festivals mit zahlreichen Veranstaltungen auf dem Afrikanischen Markt.

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